Thea

Maximilian Friedrich Weyhe, J. W. Wolter, P. W. Funke, Theodor Friedrich Ludwig Nees von Esenbeck

Ilustrationen: Aimé Henry

Thea viridis L. & Thea Bohea L. et Thea stricta Hayne. – Bohea var. L.

Aus: Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen, 9. Lieferung, Düsseldorf 1829

 

Thea viridis L.

(Der Grüne Thee.)

Linné Clas. XIII. Polyandria. Ord. 1. Monogynia.
Jussieu Clas. XIII. Ord. 10. Famil. Aurant.

[…]

Benennungen.

Deutsch. Der grüne Thee.
Franz.        Le thé vert.
Ital.        Té verde.
Span.        Te verde.
Port.        Chà verde
Engl.        Green Tea
Holl.        Groene thee.
Dän.        Grönne the.
Schwed. Grönt the.
Russ.        Tschai.
Poln.        Herbata.
Japan. Tsja. Teh.
Sims. Chà. […]

Erklärung der PlatteHenry Aimé: Thea viridis L. (ULB Düsseldorf, urn:nbn:de:hbz:061:1-2184)

Taf. Nro.

Thea viridis L.

1. Ein Zweig mit Blüthen.
2. Der Fruchtknoten mit dem pfriemenförmigen Griffel, nach oben zu in drei Theile gespalten.
3. Ein Fruchtknoten quer durchschnitten.
4. Die dreifächrige Kapsel
5. Ein einzelnes Saamenkorn.
6. Dasselbe von seiner äusseren harten Haut entblösst.
7. Dasselbe durchschnitten, um das Keimgrübchen zu zeigen.
8. Der Keim vergrößert.

 

Thea Bohea L.

et Thea stricta Hayne.

— Bohea var. L.

(Der Braune Thee.)

T. floribus hexapetalis, foliis ellipticis, consistentibus, lævibus obtusiusculis, obtuse serratis:

Benennungen.
Deutsch. Der braune Thee. Theebou.
Franz. Le thé bout.
Ital. Té boù.
Span. Té negro.
Port. Chà bohy.
Engl. Bohea.
Holl. Theeboe.
Dän. Thebu.
Schwed. Thebou.
Russ. Tschai. […]

Erklärung der PlatteHenry Aimé: Thea Bohea. L. (ULB Düsseldorf, urn:nbn:de:hbz:061:1-2184)

Taf. Nro.

Thea Bohea. L.

1. Ein blühender Zweig.
2. Ein Blatt
3. Eine durchgeschnittene Blume.
4. Der Fruchtknoten mit dem Griffel.
5. Der durchgeschnittene Fruchtknoten.
6. Die dreifächrige Kapsel
7. Ein Saamenkorn.
8. Dasselbe von der äusseren Haut befreit.
9. Dasselbe durchschnitten.
10. Der vergrößerte Keim.

Erklärung der PlatteHenry Aimé: Thea stricta Hayne (ULB Düsseldorf, urn:nbn:de:hbz:061:1-2184)

Taf. Nro.

Thea stricta Hayne
— Bohea var. L.

1. Ein blühender Zweig.
2. Ein Blatt
3. Eine Blume durchschnitten.
4. Ein Staubfaden mit Staubbeutel.
5. Der Fruchtknoten mit dem Griffel.
6. Derselbe durchgegeschnitten.
7. Die dreifächrige Kapsel
8. Ein Saamenkorn.
9. Dasselbe von der äusseren Haut befreit.
10. Dasselbe durchschnitten.
11. Der Keim vergrössert.

––––––––

Der Thee ist in China und Japan einheimisch, wird daselbst auch sorgfältig angebaut, und wächst als ein immer grüner Strauch, der von unten bis oben sehr unregelmäßig ästig ist, und sich zu einer Höhe von vier, sechs bis acht Fuß erhebt. Einige Reisende wollen sogar behaupten, daß diese Höhe zuweilen bis zu dreyßig Fuß steige.

Die Farbe des Stammes ist grau; die der Zweige kastanienbraun, das Holz hart und von eigenem Geruch.

Die spitzen Knospen sind mit einer beym Aufbrechen abfallenden Schuppe bedeckt.

Die kurzgestielten, abwechselnden Blätter sind etwas glänzend grün, steif, glatt, eyrund-lanzett-förmig oder elliptisch, an ihrer obern Hälfte sägeförmig gezahnt, am Grunde ganzrandig, zwey bis drey Zoll lang und einen Zoll breit. An den unteren Seiten findet man hervorragende, sich in etwas stumpfe Spitzen endigende Rippen.

Die weißen Blumen stehen einzeln oder bisweilen zu zweyen vereinigt in den Blattwinkeln auf kurzen keulenförmigen Stielen. Sie sind rosenartig und fast ohne Geruch.

Der bleibende Kelch ist kurz, flach und besteht aus fünf oder sechs rundlichen, stumpfen Blättchen. Die Krone hat neun (auch drey oder sechs) ausgebreitete, rundliche Blumenblätter, wovon die drey äußern gleich, von mittelmäßiger Größe, und die sechs inwendigen gleich und sehr groß sind. Die zahlreichen, im Blumenboden stehenden Staubfäden sind fadenförmig und kürzer, als die Krone; die Staubbeutel herzförmig und zweyfächerig. Der Fruchtknoten sitz oben und hat einen pfriemenförmigen Griffel, von der Länge der Staubfäden. Die Narbe ist dreyfach.

Die Frucht ist eine dreyknöpfige oder aus dreyrundlichen, einsaamigen, an ihrem Grunde vereinigten, sich an einer Seite der Länge nach öffnenden Fächern zusammengesetzte Kapsel. Die rundlichen, Haselnuß-großen Saamen enthalten unter einer dünnen, glänzenden, braunen Haut einen öligen Kern von bitterm Geschmack.

Mehrere Botaniker haben nach Linné den braunen Thee (Theebou, Thea Bohea, wovon zwey Varietäten angegeben werden, nämlich: Thea B. laxa mit elliptisch-länglichen, runzlichen und Thea B. stricta mit lanzettförmigen flachen Blättern) und den grünen Thee (Haysanthee, Thea viridis) als zwey Arten unterschieden, wovon die erstere sechs, die andere neun Blumenblätter habe. Nach vielen andern aber sind diese Kennzeichen nicht hinreichend, um eine solche Verschiedenheit zu begründen, indem die Veränderlichkeit in der Zahl der Blumenblätter blos zufällig, und wie bey vielen andern kultivierten Pflanzen von Einfluß des Klima, des Bodens etc. abhängig sey, und daher beyde eher nur als Varietäten angesehen werden können.

Der Theestrauch blühlt im September und October, auch im Januar und Februar. In Europa trägt er selten Früchte, und wird in Deutschland hin und wieder in Gewächshäusern angetroffen. In seinem Vaterlande aus Saamen gezogen wächst er in sechs bis sieben Iahren zur Manneshöhe. Am tauglichsten zum Theesammeln ist er zwischen dem dritten und siebenten Iahre, und liefert desto schlechtere Blätter, je älter er wird.

Es ist schwierig zu bestimmen, wie lange schon in China vom Thee Gebrauch gemacht worden, und ohne Zweifel verliert sich dieser Zeitpunkt bis ins höchste Alter. Es ist jedoch bekannt, daß erst gegen die Mitte des 17. Iahrhunderts der Thee in Europa eingeführt wurde.

Nur die Blätter des Theestrauchs sind unter allgemein bekannten Namen „Thee“ gebrauchlich, und auch in den Offizinen vorräthig. (Thee, Theeblätter, Herba Theæ.)

In den Handel kommen mehrere Sorten Thee unter verschiedenen Benennungen vor, durch welche aber weder Arten des Strauchs, Varietäten angedeutet werden; sondern diese Benennungen hängen von der verschiedenen Cultur, der Zeit, der Einsammlung der Behandlung und Bearbeitung der Theeblätter ab, welche mit größter Sorgfalt im März, April und Mai gesammelt werden. Ie später dies geschieht, je dicker, volkommener, und größer die Blätter geworden, desto schlechter ist der Thee. Die abgepflückten Blätter werden auf eisernen über Oefen erhitzten Platten geröstet, zwischen den Händen gerollt, dann wohl getrocknet, in gut verschloßenen Gefäßen, gänzlich vor dem Zutritt der Luft geschützt, sorgfältigst aufbewahrt und versendet.

Die frischen Blätter haben keinen guten Geruch, einen ekelhaften Geschmack, und scheinen etwas scharfes, betäubendes, und gewißermaßen eine giftige Eigenschaft zu haben, die sich aber durch das Rösten und nach einiger Zeit (10 bis 12 Monate) verliert.

Die Chinesen unterscheiden zwey Theesorten; den braunen und grünen Thee; und von beyden Sorten wieder sieben Untersorten: der Kaiserthee, der grüne Thee, und der Theebou sind davon die merkwürdigsten. Der Geschmack und Geruch  des Thees weicht bey den verschiedenen Sorten ab. Ueberhaupt ist der Geruch mehr  oder weniger lieblich und fein balsamisch, und der Geschmack sehr angenehm, obgleich etwas bitterlich und wenig zusammenziehend.

Die vorzüglichsten im Handel vorkommenden Theesorten sind folgende:

1) vom grünen Thee mit krausern, dem Wasser eine grünlich-gelbe Farbe mittheilenden etwas veilchenartig-richenden Blättern.

Der Kaiserthee, Blumenthee oder die Theeblüthe (Thea cæsarea, Flos Theæ) von hellgrüner Farbe, und einem sehr angenehmen, balsamischen Geruche. Die Blätter sind kaum entfaltet, klein, sehr zart, nicht gerollt, sondern zusammengedreht und bilden die feinste und beste Sorte.

Der Haysan- oder Hyßen-Thee. Die Blätter sind klein, stark gerollt, von grüner ins Blaue ziehender Farbe.

Der Singlo-Thee, so genannt, wie mehrere andere, nach dem Orte wo er gebaut wird.

2) Vom braunen Thee, Theebou von bräunlicher Farbe und rosenartige Geruch;

Der Souchong-Thee, Karawanenthee. Die Blätter sind breit, nicht zusammengerollt, von einer ins Gelbe ziehenden Farbe.

Der Soumlo-Thee riecht nach Veilchen, und gibt einen blaßen Aufguß, welcher dunkler ist beym Conchu-Thee, dessen Blätter breiter sind.

Der Pecco-Thee: mit darunter gemengten, kleinen weißen Blättchen.

Der gemeine Theebou, dessen Blätter von gleichförmig grün-brauner Farbe sind.

Ferner hat man auch noch eine Theesorte von mit einer schleimigen Substanz verbundenen, und in Kugeln von verschiederer Größe zusammengerollten Blättern; der Theekuchen, den aus erbsenförmigen Kugeln bestehenden Tiothee, den Schießpulverthee u. m. a.

Anmerkungen

Digitalisierter Originaltext und Quelle der Illustrationen:

Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, urn:nbn:de:hbz:061:1-2184, S. [960]-[966]
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/111970